Die Wupperorte – mittendrin

Allein die vielen Namen der einzelnen Ortsteile sind für Ortsfremde bereits kurios und verwirrend. Zudem verhindert die Topografie der Wupperorte eine einfache Festlegung des Ortsmittelpunktes. Die Kreuzung aus Keilbecker-Str., Kirchstr. und Schröderweg ist aber als zentraler Punkt nicht zu bestreiten, da hier die meisten Anwohner fast täglich vorbeikommen. Es verwundert daher kaum, dass in der Umgebung dieser Kreuzung zwei Kirchen, eine Bankfiliale und mehrere Einzelhändler ihren Platz gefunden haben.

Für die hier ansässigen Geschäfte war diese Kreuzung ein idealer Standort. Ob man vor der ehem.Sparkasse andere Wupperaner traf oder in der Metzgerei einkaufen wollte. Es gab fast immer jemanden mit dem man auch ein Schwätzchen halten konnte. An dieser Ecke mit der Hausnr.27 gab es neben der Metzgerei Rüsing (später Traub) noch Blumen Kotthaus, Obst&Blumen Vera Zwankhuisen, Blumen BAO Co LeThi, Uhren/Schmuck Bachstädter (später Imbiss Monika Dreier, Quelle-Shop Eva Geierhos).

Das bisherige Kath. Pfarrheim wird aktuell zu einem Ärztehaus umgebaut und soll noch im Oktober eröffnet werden. Die Kosten für diese Modernisierung belaufen sich auf 371.000 Euro. Die Anwohner der Wupperorte sind froh, dass die medizinische Nahversorgung in diesem Stadtgebiet Radevormwalds damit gesichert bleibt.

Die Kath.Kirche konnte im April 1891 mit einem Grundstück von Ernst Spannagel u. Spinnmeister Josef Küster den Grundstein für ihre erste Kirche legen. Bereits 1892 zählte sie 800 Mitglieder. Mit Spenden in Höhe von 2500 Reichsmark wurde der Bau einer Backsteinkirche im romanischen Stil mit einer Raumfläche von ca. 220m² begonnen. 1927 gab es bereits eine Renovierung mit Darstellung des thronenden Christus u. 4 Evangelisten in der Apsis. Der geplante Kirchenbau wurde nicht mehr vollendet, denn durch den Zuzug von Flüchtlingen nach dem 2.Weltkrieg hätte er dem Platzbedarf nicht mehr entsprochen. Die Zahl der Mitglieder hatte sich 1949 auf 1270 erhöht und so waren sonntäglich drei Messen zu halten. Obwohl der Chorraum 1951 noch 5 neue Bleisglasfenster erhält, erfolgte 1959 der Abriss und die Grundsteinlegung eines Neubaus, der den Raumbedarf abdeckte.

Die Freie evangelische Gemeinde hatte ihren Gemeindesaal immer schon in der Kirchstr, seit 1897 in Kirchstr.4 und ab 1982 in Kirchstr.25. Gerade einmal zwölf Gemeindemitglieder zählte die christliche Glaubensgemeinschaft, als sie im Jahre 1876 gegründet wurde. Initiator war damals Christian Wiegand, der aus Hessen stammte. Seitdem ist sie, auch bei generationsübergreifenden schwankenden Mitgliederzahlen, in den Wupperorten etabliert. Die Kinder- und Jugendarbeit verdient Anerkennung und ein reger Gottesdienstbesuch spricht auch dafür, dass die Gläubigen sich hier gut aufgehoben fühlen.

Der sich bereits in den 1970ern abzeichnende Kampf der Textilfabriken gegen asiatische, vor allem chinesische Billigproduktion wurde mit dem endgültigen Aus für Wülfing&Sohn 1993 bzw. Wülfing Tuch GmbH 1996 beendet. Die in den Wupperorten vormals wichtigsten Arbeitgeber für Radevormwald gab es nicht mehr. Der damit einhergehende Bedeutungsverlust lässt sich auch in der zurückgehenden Zahl der Einzelhändler, Gaststätten etc. ablesen. Dennoch lässt es sich in den Wupperorten gut leben. Der Wuppermarkt sichert die Nahversorgung. Grundschule und Sportstätten sind intakt. Und naturnaher Raum mit alten Zeugnissen der Industriekultur sind ein durchaus angenehmes und lebenswertes Ambiente.

Es würde den Rahmen sprengen hier weitere Einzelheiten über die Wupperorte anzuführen. Dieser Aufgabe widmet sich der 2015 gegründete Heimatkundekreis Wupperorte – demnächst auch im neuen Bürgerzentrum (Siedlungsweg). Viele weitere Aktivitäten der „Wupperaner“ sind dort ausdrücklich erwünscht und dienen dem sozialen Zusammenhalt.