Textilfabriken

Über einen ca. 200 Jahre währenden industriegeschichtlichen Zeitraum prägte die Textilindustrie das Leben der Menschen in Dahlhausen, Vogelsmühle u. Dahlerau. Die paternalistisch ausgerichteten Familienunternehmen bauten Arbeiterwohnhäuser, richteten Kranken- und Unterstützungskassen ein, holten Ärzte in die Ortschaften, kümmerten sich um Schule und Kindergärten und unterstützten die Gemeinden und Vereine in den Wupperorten. In den Fabriken verdiente der grösste Teil der Einwohner seinen Lebensunterhalt.

Hardt Pocorny & Co. Dahlhausen-Wupper
Die Woll- und Tuchindustrie im Tal der Wupper hat ihre Anfänge in der Zeit von 1815-1819. In Dahlhausen gründeten Adolf Bauendahl und Sohn direkt an der Wupper eine Woll- und Tuchfabrik, die 1866 nach Übernahme durch Johann Wülfing und Sohn zu einer Streichgarnspinnerei umgestaltet wurde. 1869 wurde das Firmengelände großzügig ausgebaut, Wasserturbinen und eine Balancier-Dampfmaschine eingebaut. Ab 1870 wurde die Produktion in der Hauptsache von Streichgarn auf Kammgarn umgestellt. Januar 1884 wurde die Firma mit dem Namen Hardt Pocorny & Co. unter der Leitung von Robert Hardt Sen. und Theodor Pocorny geführt. Von den Familien Hardt und Pocorny geführt bestand die Kammgarnspinnerei in Dahlhausen unter diesem Namen bis in die 1970er Jahre des 20.Jahrhunderts. Im Jahr 1966 konnte man auf 100 Jahre eines Familienunternehmens zurückblicken, das bis dato alle wirtschaftlichen Krisen und zwei Weltkriege überstanden hatte. In den 70 Jahren des 20.Jhdts. war allerdings mit dem einsetzenden Niedergang der Textilindustrie in Deutschland die Liquidation der Firma unausweichlich. 1974 wurde die Fabrik geschlossen.

Schürmann & Schröder Vogelsmühle
Auch hier sind die Anfänge im Jahr 1815 zu finden. Da begann im Tal der Wupper in Vogelsmühle das Zeitalter der maschinengetriebenen Textilproduktion. Hier boten vorhandene Wassertriebwerke ehemaliger Schmieden ideale Voraussetzungen zum Antrieb der neu angeschafften Spinn- Scher- und Raumaschinen. Nach mehreren Eigentümerwechseln in den 1960er Jahren führten ausländische Billigkonkurrenz und steigender Kostendruck zur Schliessung der Tuchfabrik.

Johann Wülfing & Sohn Dahlerau-Wupper
Ebenfalls im frühen 19.Jahrhundert in 1816 erwarben die Brüder Arnold und Johann Engelbert Hardt die ehemaligen Buschhämmer am Ufer der Wupper in Dahlerau. Ziel war es, die Wasserkraft für den Antrieb mechanischer Spinnmaschinen zu nutzen. Im Lauf von 100 Jahren entwickelte sich eine Volltuchfabrik, in der von der Verarbeitung der Rohwolle zum Garn und dessen weiterer Verarbeitung zum Tuch alles aus einer Hand kam. Mit Beginn der ersten Globalisierungswelle, die besonders die Textilindustrie in Deutschland traf, verlor das einstmals auf dem Weltmarkt vertretene Unternehmen seine Konkurrenzfähigkeit und musste schliesslich 1996 schliessen.

Quelle: Paul Zeit – Dahlhausen a.d.Wupper u. seine Industrie-Anlagen (1948)